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Das Rätsel Piotrowski… Nr. 2

Fortsetzung des Beitrages: Das Rätsel Piotrowski… Nr. 1

Meine bisherige Suche nach PIOTROWSKI und JUNG führte mich also nach Kongresspolen. Der nächste Schritt musste nun unbedingt die genaue Lokalisierung der beiden Geburtsorte sein, die in den Sterbeurkunden von Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI und Luise Berta JUNG angegeben waren.

Also wo sind „Pachtania“ und „Groß Krettki“?

Nach einiger Suche im Internet, konnte „Groß Krettki“, dank der tollen Seite von Uwe Kerntopf, in einer Ortsliste für den Kreis Rypin lokalisiert werden. Ein ähnlich klingender Name war dort aufgeführt: Kretki Duze im Kreis Rypin. Dieser Ort wurde am 25.06.1942 in Krettig umbenannt. Das „Duze“ in der polnischen Ortsbezeichnung kann mit „groß“ übersetzt werden. Eine vielversprechende Spur!

In der gleichen Ortsliste für den Landkreis Rypin, wurde auch ein Ort namens Pachtarnia-Rum entdeckt. Sollte dies das berühmte „Pachtania“ sein? Mittels Google Maps, konnten die beiden Orte schnell gefunden werde (nicht zu empfehlen, wie sich später herausstellte). Auch im „Genealogischen Ortsverzeichnis“ des „Vereins für Computergenealogie“ war dieses Pachtarnia aufgeführt.

Die beiden Orte lagen auch nicht so weit voneinander entfernt, sodass wirklich alles sehr plausibel klang.

Geographische Darstellung der beiden Orte

Da Mittelpolen/ Kongresspolen absolutes Neuland für mich war, galt es zunächst die Quellenlage zu studieren. In den verschiedenen Personenstandsurkunden der Familie, war immer die Rede von evangelischer Religion. Etwas skeptisch war ich, da das neue Suchgebiet doch sehr katholisch geprägt war.

Aber die Familie ist um die Jahrhundertwende in den protestantischen Norden eingewandert. Dies würde auch gut zur Geschichte der evangelisch-augsburgischen Minderheit in Mittelpolen passen. Dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr, da es hier den Rahmen sprengen würde.

Die Quellenlage zu den evangelisch-augsburgischen Kirchenbüchern ist auf verschiedenen Seiten sehr gut dokumentiert. Auch hier ist wieder die Seite von Uwe Kerntopf aber auch die der „Society of German Genealogy in Easter Europe“ hervorzuheben.

Zusammen mit der Karte „Die Gemeinden der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen am 1.9.1939“ von Dr. theol. Eduard Kneifel, konnten die mutmaßlichen Kirchspiele für beide Orte ermittelt werden. Zu meiner großen Überraschung, sind diese Quelle erhalten geblieben, was bei vielen anderen Quellen nicht selbstverständlich ist.

  • Kretki Duze – evang.-augsb. Kirchspiele in der Nähe sind Michalki und Rypin (letzteres aber erst 1938 gegründet).
  • Pachtarnia – evang.-augsb. Kirchspiele in der Nähe sind Sierpc und Siemiatkowo (letzteres aber erst 1934 gegründet).

Da die Unterlagen an verschiedenen Stellen verfügbar sind, entschied ich mich für die Anfrage bei den polnischen Archiven, mit denen ich bisher immer positive Erfahrungen sammeln konnte. Die Anfragen per Email an die zuständigen Archive wurde sofort geschrieben. Das Archiv in Płock antwortet bereits nach 4 Tagen! Aber leider konnten sie den Geburtseintrag von Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI nicht in den evang.-augsb. Kirchenbüchern finden. Die Enttäuschung war natürlich groß. Freundlicherweise suchten sie auch in den röm.-kath. Kirchenbüchern der nächstgelegenden Gemeinden Sierpc und Zawidz, leider ohne Erfolg.

Aber ca. 4 Wochen später bekam ich eine Email aus dem Archiv in Toruń. Darin wurde angekündigt, dass sie den Geburtseintrag der Ludwika Bertha JUNG in den Kirchenbüchern von Michałki gefunden haben. Nach Eingang der Spende, würden sie den Scan des Eintrages per Email versenden. Die Freude war groß, da nach langer Suche und vielen Rückschlägen, die erste positive Nachricht eintraf. Es brachen die spannenden Tage des Wartens an. Doch nach kurzer Zeit befand sich das Dokument in meinem Postfach.

Geburtseintrag 1880 Ludwika Berta JUNG

Ich hatte zwar schon gelesen, dass die Einträge in den Kirchenbüchern zu dieser Zeit in russischer Sprache verfasst wurden, dass ich aber überhaupt nichts entziffern konnte, überraschte mich dann doch.

Glücklicherweise fand ich Hilfe im Forum bei mittelpolen.de. Tolle Mitglieder übersetzten den Eintrag umgehend. Wofür ich mich hier nochmals bedanken möchte!

„Taufurkunde, Nr. 197 – Ludwika Bertha JUNG

Es geschah im Ort Michałki, (julianischer Kalender) 24.08.1880, (gregorianischen Kalender) 10.09.1880 um 2 Uhr nachmittags.

Meldender: Wilhelm JUNG, Vater, Landwirt 32 Jahre, wohnhaft in Kretki Duże.

Zeugen:

1. Michael PLITT, Landwirt, 48 Jahre, wohnhaft in Kamienki?

2. Johann PLITT, Landwirt 53 Jahre, wohnhaft in Kretki Duże

Paten: Michael PLITTund Ludwika SCHIEMANN

Geburtsdatum: (julianischer Kalender) 11.08.1880, (gregorianischen Kalender) 24.08.1880 um 4 Uhr nachmittags.

Geburtsort: Kretki Duże

Mutter des Kindes: Marianna (Maria) Jung geb. SCHULZ, 36 Jahre“

Da sämtliche Angaben in diesem Taufeintrag sehr gut zu den bereits bekannten Daten passen, ist die Herkunft der Ehefrau von Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI geklärt und weitere Recherchen können gestartet werden.

Zur Veranschaulichung der Lage des Geburtsortes und des späteren Wohnortes, möchte ich an dieser Stelle eine Karte einfügen. Unsere Ahnen waren nicht so sesshaft wie man oft glauben möchte. Geburts- und Sterbeort liegen über 600km weit entfernt.

Offen bleibt nun aber noch der Geburtsort von Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI.

Weiter im nächsten Beitrag: Das Rätsel Piotrowski… Nr. 3