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Das Rätsel Piotrowski… Nr. 5

Fortsetzung des Beitrages: Das Rätsel Piotrowski… Nr. 4

Übersiedlung nach Rügen

In der Familie meiner Frau wurde häufig über den genauen Zeitraum und den Grund der Namensänderung spekuliert, wie aber bereits im vorherigen Beitrag erläutert, geht aus den Amtsgerichtsakten leider kein Grund zur Namensänderung der Familie PIOTROWSKI hervor. Auch der Grund der Übersiedlung nach Rügen lässt sich leider nicht ermitteln. Das Gerücht, dass der Gutsherr auf Rügen, bei dem die Familie PIOTROWSKI arbeitete, dies empfohlen hat, kann aber widerlegt werden, da die Namensänderung noch in Marienwerder beantragt wurde.

Was jedoch klar aus den Akten hervorgeht, ist der Umstand, dass der Ludwig PIOTROWSKI um das Jahr 1907 Kongresspolen verlässt und dann kurze Zeit in Groß Gorschen wohnhaft ist. Dieser Ort ist zwar nicht weit vom ursprünglichen Wohnort in Kongresspolen entfernt, befindet sich aber bereits im Landkreis Strasburg in Westpreußen. Also nicht mehr auf polnischem bzw. russischem Hoheitsgebiet.

Die ersten drei Kinder des Paares Ludwig PIOTROWSKI und Luise Berta JUNG sind laut Akten noch in Kongresspolen geboren:

  • Polykarp (später Paul) PIOTROWSKI *01.06.1900 in Lamkowizna
  • Richard PIOTROWSKI *02.08.1902 in Lamkowizna
  • Emilie PIOTROWSKI *31.12.1903 in Lamkowizna

Der Geburtsortsort befindet sich nur einige wenige Kilometer von Pachtarnia entfernt.

Die Kinder

  • Max PIOTROWSKI *24.05.1909
  • Johann Wilhelm PIOTROWSKI *18.09.1910

wurden dann bereist in Ganschvitz auf Rügen geboren.

Über den Grund der Auswanderung kann zum jetzigem Zeitpunkt nur spekuliert werden. Die Familie gehörte der evangelisch-augsburgischen Kirche an. Das Gebiet in der die Familie lebte, ist geprägt von deutschstämmigen Einwanderern. Der Familienname der Ehefrau des Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI – Luise Bertha JUNG und auch die Familienname der diversen Tauf- und Trauzeugen weist auf eine „deutsche“ Abstammung hin. Es kann also vermutet werden, dass die Familien Nachkommen von deutschstämmigen Siedlern sind. Dies wäre typisch für diese Region. In mehreren Einwanderungswellen, zuletzt nach der 2. und 3. polnischen Teilung, wurden gezielt deutsche Siedler zur Kolonisation des Gebietes angeworben.

Evtl. bewogen die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen in Kongresspolen die Familie zu einer Auswanderung.

Wie bereits erwähnt, ist dies jedoch Spekulation. Eine Erforschung der Familiengeschichte anhand der evangelisch-augsburgischen Kirchenbücher der Region, die glücklicherweise erhalten geblieben sind, wird dies evtl. klären können.

Diese Suche wird in naher Zukunft fortgesetzt. Da das eigentliche Ziel, die Suche nach der Herkunft der Familie PIOTROWSKI an dieser Stelle jedoch vorerst abgeschlossen ist, möchte ich die Beitragsreihe mit diesem Eintrag beenden.

Es werden sich sicherlich viele interessante neue Dinge ergeben, über die ich zu gegebener Zeit berichten werde.

Das Rätsel Piotrowski… Nr. 4

Fortsetzung des Beitrages: Das Rätsel Piotrowski… Nr. 3

Es gibt Neuigkeiten! Und zwar sehr erfreuliche…

Entgegen den Aussagen aus dem Jahr 2000, existieren die Amtsgerichtsakten aus dem Jahr 1948 doch noch! Vor einiger Zeit fragte ich per Email im Stadtarchiv und Landesarchiv in Greifswald nach den Akten und der bekannten Aktennummer. Und nur kurze Zeit später bekam ich eine positive Rückmeldung aus dem Landesarchiv in Greifswald. Lt. Aussage des Mitarbeiters sind diese auch erst seit kurzer Zeit erschlossen. Wir haben unsere Anfrage wohl genau zum richtigen Zeitpunkt gestellt. Einen großen Dank möchte ich noch an die sehr hilfsbereiten und kompetente n Mitarbeiter des Landesarchiv in Greifswald richten.

Wir konnten die beiden vorhandenen Akten dann im Landesarchiv einsehen und die wichtigsten Sachen konnten kopiert werden. Viele Interessante Neuigkeiten konnten herausgefiltert werden, wobei ich in diesem Beitrag auf den Prozess der Namensänderung eingehen will.

Die Namensänderung

Merkwürdig war, dass lt. den Randvermerken auf den Standesamtsregistern, die Genehmigung zur Namensänderung im Mai 1910 vom Regierungspräsidenten in Marienwerder ausgestellt worden ist, Johann Wilhelm PIOTROWSKI im September desselben Jahres auf Rügen geboren ist und ein Amtsgericht 38 Jahre später eine Namensänderung anordnet.

Dies konnte anhand der Akten nun eindeutig geklärt werden.

Nachfolgend ist die Abschrift der Genehmigung der Namensänderung vom Reichsregierungspräsidenten aufgeführt:

Abschrift Namensänderung

Die Genehmigung umfasst somit die Eltern Ludwig PIOTROWSKI und Luise Bertha geborene JUNG und 3 Geschwister des Johann PIOTROWSKI. Der am 18.09.1910 geborene Johann PIOTROWSKI, hätte demnach schon den Familiennamen PETERS tragen dürfen, da zum Zeitpunkt seiner Geburt, die Nachnamen der Eltern bereits geändert worden sind. Er ist aber noch mit dem alten Familiennamen im Standesamt verzeichnet worden, da

“ […] aus irgendwelchen Gründen die zuständigen Standesämter von dieser Namensänderung nicht unterrichtet worden […]“

Zitat aus Amtsgerichtsakten 1948

sind.

Im weiteren Verlauf wird es noch klarer:

“ […] Der Grund der späten Ausführung der Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten in Marienwerder ist der Umstand, daß der mit der Genehmigung zur Namensänderung Bedachte, der Arbeiter Ludwig Piotrowski, die ihm zugegangene Genehmigung jahrelang aufbewahrte, ohne es zu veranlassen, daß nun auch die abänderungsbedürftigen Personenstandsurkunden Berichtigung erfuhren, da auch behördlich (Regierung in Marienwerder) diesbezüglich nichts veranlasst zu sein scheint[…]“

Zitat aus Amtsgerichtsakten 1948

Der 1909 geborene Max PIOTROWSKI ist in der Genehmigung von 1910 nicht aufgeführt, da zum Zeitpunkt der Geburt der Antrag auf Namensänderung beim Regierungspräsidenten Marienwerder noch lief. Die Familie ergänzte den laufenden Antrag jedoch nicht um den neugeborenen Sohn, sodass dieser von der Namensänderung ausgeschlossen war. Dies hob das Amtsgericht dann auch noch hervor, verweigerte aber die Führung des Familiennamen PETERS nicht.

Die Akten enthalten Angaben zur gesamten Familie PIOTROWSKI und deren Nachkommen. Auch die Geschwister des Johonn PIOTROWSKI strebten dann in den 40er Jahren eine behördliche Klärung des Sachverhaltes an. Dieses Verfahren beim Amtsgericht zog sich dann über mehrere Jahre bis 1948 hin, auch weil wichtige Unterlagen zwischenzeitlich nicht auffindbar waren.

Somit ist der Prozess der Namensänderung nun nachvollzogen. Zu den Gründen der Namensänderung, liegen in den Akten leider keine Hinweise vor. Nur eine Abschrift des Beschlusses des Regierungspräsidenten Marienwerder und die damalige Aktennummer ist verzeichnet.

Ob in den polnischen Archiven noch Akten verfügbar sind, ist zurzeit unbekannt. Eine Recherche dazu wird aber noch unternommen.

Was jedoch klar aus den Akten hervorgeht, ist der Weg der Übersiedlung von Kongresspolen Richtung Rügen, den ich in einem Folgebeitrag näher erläutern werde.

Weiter im nächsten Beitrag: Das Rätsel Piotrowski… Nr. 5

Das Rätsel Piotrowski… Nr. 3

Fortsetzung des Beitrages: Das Rätsel Piotrowski… Nr. 1 und Das Rätsel Piotrowski… Nr. 2

Die Suche nach dem Geburtsort von Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI beschäftigte mich weiter. Warum wurde kein Taufeintrag gefunden? Ist die Angabe auf der Sterbeurkunde falsch? Ich wollte mich eigentlich an dieser Stelle nicht geschlagen geben.

Und mir sollte mal wieder ein „Zufallsfund“ helfen… (Wie so oft…)

Eines Abends gelang mir wohl der „Durchbruch“. Nachdem ich einige Messtischblätter und Karten der Umgebung von Michałki und Kretki Duże betrachtet, fiel mir eine Ortsbezeichnung am rechten oberen Rand einer Karte auf. Dort stand doch tatsächlich „PACHTARNIA“. Und dieser Ort lag noch dichter am Geburtsort der Ehefrau von Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI. Nur auf dieser einen „Karte des Deutschen Reichs 1:100.000 Nr.227 – Gollub [1914]“ war dieses Pachtarnia verzeichnet. Auf den Karten von 1893 und 1900 ist es nicht aufgeführt. Das war wohl ein absoluter Zufallsfund.

Deutsches Reich 1:100.000 Nr.227 – Gollub [1914] Quelle: Landkartenarchiv.de

Aufgrund der Lage des nun gefundenen Ortes, war es sehr wahrscheinlich, dass auch das evangelisch-augsburgische Kirchspiel Michałki für diesen Ort zuständig war. Nachfolgende Karte zeigt die ungefähre Lage von Pachtarnia und die Position von Kretki Duże und Michałki.

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Warum fragte ich auch nicht gleich bei meiner ersten Anfrage an das  Archiv in Toruń nach dem Taufeintrag des Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI? Um dieses Mal keine Zeit zu verlieren, bat ich neben dem Taufeintrag auch zusätzlich um die Suche nach einem möglichen Traueintrag der beiden gesuchten Personen.

Ich weiß, dass das Paar JUNG-PIOTROWSKI spätestens 1909 bereits auf der Insel Rügen war, da dort ein Kind geboren wurde. Das erste Kind der beiden kam 1898 auf die Welt. Weiterhin wurde Ludwika Bertha JUNG im Jahr 1880 geboren, sodass eine Heirat im Zeitraum um das Jahr 1898  höchstwahrscheinlich ist. Aber ob dies noch in Michałki passierte?

Und tatsächlich. Nur kurze Zeit später bekam ich die Meldung vom Archiv, dass sie einen passenden Tauf- und Heiratseintrag finden konnte.

Wieder halfen Mitglieder des Forums mittelpolen.de bei der Übersetzung des russisch verfassten Taufeintrages.

Traueintrag Piotrowski - Jung 1899

Traueintrag Piotrowski – Jung 1899

„Hochzeiturkunde Nr. 4/1899
Geschehen in Rypin am 24.01.1899 um 2 Uhr nachmitags.
Zeugen:

1.Georg Rindfleisch: 58 Jahre, Bauer aus Lamkowizna.
2.Michael Stanke: 80 Jahre, Deputant aus Lamkowizna.

Bräutigam:

Ludwik Piotrowski, 22 Jahre, Beruf: Arbeiter, wohnhaft in Lankowizna,
Geburtsort: Pachtarnia

Eltern des Bräutigams: Vater Johann Piotrowski und Mutter gestorben Katharina Wojke

Braut:

Julia Berta Jung, wohnhaft in Lamkowizna bei den Eltern, 18 Jahre, protestantische Religion.
Geburtsort: Kretki Duże

Eltern der Braut: Vater Wilhelm Jung, Beruf – Schmied und Mutter Marianna geb. Skusa

Ehe Ankündigung; 10, 22 Januar 1899″

Besonders hervorzuheben ist der Randvermerk auf der Urkunde.

Randvermerk Trauung

Randvermerk Trauung

„Mit Genehmigung des Regierungspräsidenten in Marienwerder vom 11. Mai 1910 – I. A. 2215- 5-II. Ang. führt der Nebenbezeichnete sowie seine Ehefrau an Stelle des Familiennamens Piotrowski den Familiennamen „Peters“, Rippin, den 23. Februar 1944, das Amtsgericht Geschäftstelle 6.“

Und da ist sie also wieder, die berühmte Namensänderung. Zusammen mit diesem Hinweis, und den relativ gut passenden Angaben bei der Braut, ist es wohl genau der richtige Eintrag. Übrigens war die Braut bei der Trauung keine 18 Jahre alt.

Bemerkenswert ist auch, dass die auf russisch verfassten kirchlichen Einträge im Jahre 1944 von den nun deutschen Behörden berichtigt wurden. Zur Erinnerung. Die amtsgerichtliche Änderungsanordnung auf Rügen, stammt aus dem Jahre 1948. Die Genehmigung des Regierungspräsidenten aus dem Jahr 1910. Für mich zurzeit nicht nachvollziehbar.

Was bei diesem Traueintrag noch stutzig macht, ist die Angabe der Mutter des Bräutigams, die lt. seinem Sterbeeintrag Gudrun WIATOWSKA hieß. Hier ist sie mit Katharina WOJKE angegeben?

Aber auch im gefundenen Taufeintrag des Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI, ist der FN der Mutter WOJKE.

Taufeintrag Ludwik PIOTROWSKI 1876

Taufeintrag Ludwik PIOTROWSKI 1876

„Geburtsurkunde und Taufe Nr. 319/1876 Ludwik Pietroski

Geschehen im Dorf Michałki am (21.11.1873 julianisches Datum) 03.12.1876 um 2 Uhr nachmittags [Anmerkung: Datum der Taufe]

Meldender: Vater Jan Pietroski, Tribuat, 33 Jahre, wohnhaft in Pachtarnia

Paten und Zeugen:
1. Florian Diemikow, 47 Jahre, Arbeiter, wohnhaft in Pachtarnia
2. Martin Tyll, 47 Jahre, Bauer, wohnhaft in Pachtarnia.
3. Marianna Tyll.

Geburtsdatum und -ort: am (09.11.1876) 21.11.1876 um 10 Uhr nachmittags, in Pachtarnia

Mutter des Neugeborenen: Ehefrau des Meldene Katharina geb. Wojke“

Auch hier wieder der Randvermerk zur Namenänderung. Der Familienname WOJKE macht mich noch stutzig. Auch das Geburtsdatum passt nicht ganz. In der Sterbeurkunde des Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI war ja folgendes angegeben:

„[…] geboren zu Pachtania, Russisch Polen am 9. Dezember 1876 verheiratet gewesen mit Luise Berta Peters, geborene Jung – Sohn des Landwirt Johann Peters und dessen Ehefrau Johanna geborene Wiatowska […]

Viele Fakten (auch die Angaben im Traueintrag) sprechen für die Richtigkeit des Eintrages, andere dagegen. Aber vielleicht sind die Angaben in der Sterbeurkunde ungenau und fehlerhaft. Hier muss zur eindeutigen Zuordnung noch zwingend weiter recherchiert werden.

Eine neue Anfrage an das Archiv in Torun wird nun vorbereitet. Ich werde das Archiv bitten, nach weiteren passenden Taufeinträgen zu suchen. Auch werde ich nach den evtl. vorhandenen Taufeinträgen der noch bekannten Kinder suchen lassen. So lässt sich auch evtl. ein genauerer Zeitpunkt der Einwanderung auf die Insel Rügen rekonstruieren.

Weiter wird es in einem Folgebeitrag gehen, der nach Antwort des Archives veröffentlicht wird.

Weiter im nächsten Beitrag: Das Rätsel Piotrowski… Nr. 4

Anmerkung: Rot markierter Text wurde nach veröffentlichung nachträglich geändert, da sich Änderungen gegenüber der Ursprungsversion ergaben.

Das Rätsel Piotrowski… Nr. 2

Fortsetzung des Beitrages: Das Rätsel Piotrowski… Nr. 1

Meine bisherige Suche nach PIOTROWSKI und JUNG führte mich also nach Kongresspolen. Der nächste Schritt musste nun unbedingt die genaue Lokalisierung der beiden Geburtsorte sein, die in den Sterbeurkunden von Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI und Luise Berta JUNG angegeben waren.

Also wo sind „Pachtania“ und „Groß Krettki“?

Nach einiger Suche im Internet, konnte „Groß Krettki“, dank der tollen Seite von Uwe Kerntopf, in einer Ortsliste für den Kreis Rypin lokalisiert werden. Ein ähnlich klingender Name war dort aufgeführt: Kretki Duze im Kreis Rypin. Dieser Ort wurde am 25.06.1942 in Krettig umbenannt. Das „Duze“ in der polnischen Ortsbezeichnung kann mit „groß“ übersetzt werden. Eine vielversprechende Spur!

In der gleichen Ortsliste für den Landkreis Rypin, wurde auch ein Ort namens Pachtarnia-Rum entdeckt. Sollte dies das berühmte „Pachtania“ sein? Mittels Google Maps, konnten die beiden Orte schnell gefunden werde (nicht zu empfehlen, wie sich später herausstellte). Auch im „Genealogischen Ortsverzeichnis“ des „Vereins für Computergenealogie“ war dieses Pachtarnia aufgeführt.

Die beiden Orte lagen auch nicht so weit voneinander entfernt, sodass wirklich alles sehr plausibel klang.

Geographische Darstellung der beiden Orte

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Da Mittelpolen/ Kongresspolen absolutes Neuland für mich war, galt es zunächst die Quellenlage zu studieren. In den verschiedenen Personenstandsurkunden der Familie, war immer die Rede von evangelischer Religion. Etwas skeptisch war ich, da das neue Suchgebiet doch sehr katholisch geprägt war.

Aber die Familie ist um die Jahrhundertwende in den protestantischen Norden eingewandert. Dies würde auch gut zur Geschichte der evangelisch-augsburgischen Minderheit in Mittelpolen passen. Dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr, da es hier den Rahmen sprengen würde.

Die Quellenlage zu den evangelisch-augsburgischen Kirchenbüchern ist auf verschiedenen Seiten sehr gut dokumentiert. Auch hier ist wieder die Seite von Uwe Kerntopf aber auch die der „Society of German Genealogy in Easter Europe“ hervorzuheben.

Zusammen mit der Karte „Die Gemeinden der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen am 1.9.1939“ von Dr. theol. Eduard Kneifel, konnten die mutmaßlichen Kirchspiele für beide Orte ermittelt werden. Zu meiner großen Überraschung, sind diese Quelle erhalten geblieben, was bei vielen anderen Quellen nicht selbstverständlich ist.

  • Kretki Duze – evang.-augsb. Kirchspiele in der Nähe sind Michalki und Rypin (letzteres aber erst 1938 gegründet).
  • Pachtarnia – evang.-augsb. Kirchspiele in der Nähe sind Sierpc und Siemiatkowo (letzteres aber erst 1934 gegründet).

Da die Unterlagen an verschiedenen Stellen verfügbar sind, entschied ich mich für die Anfrage bei den polnischen Archiven, mit denen ich bisher immer positive Erfahrungen sammeln konnte. Die Anfragen per Email an die zuständigen Archive wurde sofort geschrieben. Das Archiv in Płock antwortet bereits nach 4 Tagen! Aber leider konnten sie den Geburtseintrag von Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI nicht in den evang.-augsb. Kirchenbüchern finden. Die Enttäuschung war natürlich groß. Freundlicherweise suchten sie auch in den röm.-kath. Kirchenbüchern der nächstgelegenden Gemeinden Sierpc und Zawidz, leider ohne Erfolg.

Aber ca. 4 Wochen später bekam ich eine Email aus dem Archiv in Toruń. Darin wurde angekündigt, dass sie den Geburtseintrag der Ludwika Bertha JUNG in den Kirchenbüchern von Michałki gefunden haben. Nach Eingang der Spende, würden sie den Scan des Eintrages per Email versenden. Die Freude war groß, da nach langer Suche und vielen Rückschlägen, die erste positive Nachricht eintraf. Es brachen die spannenden Tage des Wartens an. Doch nach kurzer Zeit befand sich das Dokument in meinem Postfach.

Geburtseintrag 1880 Ludwika Berta JUNG

Ich hatte zwar schon gelesen, dass die Einträge in den Kirchenbüchern zu dieser Zeit in russischer Sprache verfasst wurden, dass ich aber überhaupt nichts entziffern konnte, überraschte mich dann doch.

Glücklicherweise fand ich Hilfe im Forum bei mittelpolen.de. Tolle Mitglieder übersetzten den Eintrag umgehend. Wofür ich mich hier nochmals bedanken möchte!

„Taufurkunde, Nr. 197 – Ludwika Bertha JUNG

Es geschah im Ort Michałki, (julianischer Kalender) 24.08.1880, (gregorianischen Kalender) 10.09.1880 um 2 Uhr nachmittags.

Meldender: Wilhelm JUNG, Vater, Landwirt 32 Jahre, wohnhaft in Kretki Duże.

Zeugen:

1. Michael PLITT, Landwirt, 48 Jahre, wohnhaft in Kamienki?

2. Johann PLITT, Landwirt 53 Jahre, wohnhaft in Kretki Duże

Paten: Michael PLITTund Ludwika SCHIEMANN

Geburtsdatum: (julianischer Kalender) 11.08.1880, (gregorianischen Kalender) 24.08.1880 um 4 Uhr nachmittags.

Geburtsort: Kretki Duże

Mutter des Kindes: Marianna (Maria) Jung geb. SCHULZ, 36 Jahre“

Da sämtliche Angaben in diesem Taufeintrag sehr gut zu den bereits bekannten Daten passen, ist die Herkunft der Ehefrau von Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI geklärt und weitere Recherchen können gestartet werden.

Zur Veranschaulichung der Lage des Geburtsortes und des späteren Wohnortes, möchte ich an dieser Stelle eine Karte einfügen. Unsere Ahnen waren nicht so sesshaft wie man oft glauben möchte. Geburts- und Sterbeort liegen über 600km weit entfernt.

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Offen bleibt nun aber noch der Geburtsort von Ludwig Wilhelm PIOTROWSKI.

Weiter im nächsten Beitrag: Das Rätsel Piotrowski… Nr. 3

Das Rätsel Piotrowski… Nr. 1

Bereits vor einiger Zeit, hatte meine Frau das Ahnenfieber gepackt. Wahrscheinlich ausgelöst durch ihre Tätigkeit in einem Notariat, bei dem sie auch in Erbangelegenheiten eingebunden war.

Um das Jahr 2000 begann sie mit ihrer privaten Familienforschung. Insbesondere die Suche nach der Familie väterlicherseits, gestaltete sich schwierig und warf einige Rätsel auf, die damals nicht gelöst werden konnten. Und so verlor sich mit der Zeit auch das Interesse.

Nachdem ich im Jahr 2013 mit der Ahnenforschung begann, holte ich dieses Thema hervor, und begann mit der Sichtung und Sortierung der Unterlagen, die meine Frau ca. 12 Jahre zuvor bereits gesammelt hatte. Und wir konnten uns dann nach und nach daran erinnern, wo und warum die Forschungen in diesem Familienzweig stockten.

Ausgangspunkt war der auf Rügen geborene Großvater meiner Frau, auf dessen Geburtsurkunde sich zwei sehr umfangreiche Randvermerke befinden. Außerdem ist er 1910 mit dem Familiennamen PIOTROWSKI geboren worden.

Johann Wilhelm PETERS; *18.09.1910 in Ganschvitz / Rügen

Randvermerk Geburtsurkunde Johann Wilhelm PETERS

 „Auf Anordnung des Amtsgerichts Greifswald vom 7. Mai 1948 (6III 7/47) wird berichtigend vermerkt, daß der Familienname Piotrowski auf Grund der Genehmigung des Regierungspräsidenten Marienwerder vom 11. Mai 1910 in „Peters“ geändert worden ist. […]“

Weiterhin heißt es in einem zweiten Randvermerk:

„Laut Mitteilung des Amtsgerichts Greifswald vom 16. September 1948 6III 7/47, N.R. 605/48 wird berichtigend vermerkt, daß vorstehender Beschluß am 16. September 1948 rechtskräftig geworden ist. […]“

Merkwürdig an dieser Sache ist, dass die Genehmigung im Mai 1910 vom Regierungspräsidenten in Marienwerder ausgestellt worden ist, Johann Wilhelm PIOTROWSKI im September des selben Jahres auf Rügen geboren ist und ein Amtsgericht 38 Jahre später eine Namensänderung anordnet?

Eine Nachfrage beim Amtsgericht und dem zuständigen Archiv in Greifswald ergab damals, dass die Akten aus dieser Zeit durch falsche Lagerung zerstört sind.

Dies muss unbedingt nochmals geprüft werden, da diese Akten wohl eine hervorragende Quelle darstellen könnten…

Von der Akte des Amtsgerichts lag leider nur eine Abschrift des Beschlusses vor. Jedoch enthält diese noch ein weiteren Hinweis auf eine ebenfalls geänderte Geburtsurkunde Nr. 21/1909 aus dem Standesamt Tremt. Dabei wird es sich wohl um die Geburtsurkunde des 1909 geborenen Bruders Max PETERS/ PIOTROWSKI handeln.

Abschrift Beschluss Amtsgericht Greifswald 1948

Lt. Angaben aus der Familie, existieren noch weitere Geschwister

  • Paul PETERS/ PIOTROWSKI *1900
  • Richard PETERS/ PIOTROWSKI *1902
  • Martha PETERS/ PIOTROWSKI *1906
  • Bertha PETERS/ PIOTROWSKI *1915

Warum diese in dem Beschluss nicht aufgeführt sind, ist zurzeit nicht bekannt. Vielleicht sind diese nicht auf Rügen geboren? Eine Suche nach evtl. vorhandenen Geburtseintragungen der Geschwister in den Unterlagen des ehemaligen Standesamtes Tremt könnte dies klären. Leider wird dies nicht bei allen Personen möglich sein, da der Datenschutz (110 Jahre bei Geburten) greift, und diese Personen keine direkten Vorfahren sind.

Nachdem bereits die Geburtsurkunde von Johann Peters etwas rätselhaft war, wurde natürlich auch nach der Sterbeurkunde seines Vaters Ludwig Wilhelm PETERS/ PIOTROWSKI gesucht. Durch gute Informationen innerhalb der Familie und Eingrenzung des Suchzeitraumes, konnte sie durch das Standesamt in Gingst ermittelt werden.

Ludwig Wilhelm PETERS/ PIOTROWSKI starb am 03.11.1918 schon im Alter von 42 Jahren in Ganschvitz auf Rügen. In diesen Urkunden wird der Familienname mit PETERS angegeben. Aber die größte Überraschung kommt noch:

„[…] geboren zu Pachtania, Russisch Polen am 9. Dezember 1876 verheiratet gewesen mit Luise Berta Peters, geborene Jung – Sohn des Landwirt Johann Peters und dessen Ehefrau Johanna geborene Wiatowska […]

Pachtania? Russisch Polen? Noch nie gehört.

Dies war der Punkt im Jahr 2001, an dem die Suche ersteinmal endete. Umfangreiche Ortslisten, so wie sie es heute mit dem „Genealogischen Ortsverzeichnis“ (GOV) oder diversen Internetseiten, die sich ausführlich mit historischen Regionen beschäftigen, gab es damals noch nicht. Das Gebiet „Russisch Polen“ konnte zwar damals schon als Kongresspolen erkannt und lokalisiert werden, den Ort „Pachtania“ war damals aber nicht zu finden, obwohl diverse Karten genauestens abgesucht wurden.

Hinweise erhofften wir uns auch über den Geburtsort der Ehefrau Luise Berta JUNG, und auch hier konnte die Sterbeurkunde helfen:

„[…] Die Verstorbene war geboren am 24.10.1880 in Groß Krettki, Kreis Rippin […]“

Auch diese Spur führte also nach Kongresspolen. 1880 existierte zwar kein Kreis Rippin. Es konnte jedoch davon ausgegangen werden, das der Landkreis Rypin gemeint ist, der durch den Wiener Kongress 1815 Teil Kongresspolens wurde.

Wie bereits weiter oben erwähnt, konnten im Jahr 2001 keine weiteren Erkenntnisse gesammelt werden, und das Thema schlief bis zum Jahr 2013 ein.

Zu diesem Zeitpunkt griff ich dieses Thema wieder auf. So ganz vergessen wurde es über all die Jahre nicht. Auf Familienfeiern wurde immer wieder darüber gesprochen. Vielleicht war es auch ein Grund für mich, im Jahr 2013 mit der Ahnenforschung zu beginnen.

Jedenfalls holte ich dieses Thema wieder hervor, und sollte nach einiger Zeit auch Pachtania finden…

Weiter im nächsten Beitrag: Das Rätsel Piotrowski… Nr. 2