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Teil 2: Schicksal von Robert Bünning – Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 225

Fortsetzung des Beitrages:

Teil 1: Schicksal von Robert Bünning – Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 225

Einiges zum Schicksal meines 2xUrgroßvaters konnte ich bereits herausfinden. Er war zum Zeitpunkt seines Todes Gefreiter in der 9. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regimentes 225 und ist in einem Lazarett in der Nähe von Wola Szydłowiecka am 19.06.1915 an einem Schrapnellschuß im Rücken verstorben.

Bei der weiteren allgemeinen Recherche zur Geschichte des Regimentes bzw. der übergeordneten 49.-Reserve-Division, wurde ich erschüttert. Die Division, in der mein 2xUrgroßvater diente, war ab Mitte Dezember 1914 in einer der erbittertsten Kämpfe der Ostfront verwickelt. Genauer bei den Schlachten an der Rawka-Bzura und um Humin.

Diese Schlachten erlangten traurige Berühmtheit, da hier zum ersten Mal an der Ostfront Giftgase gegen die russischen Stellungen eingesetzt wurden. Im ersten Einsatz am 31.01.1915 wurden Reizgase verwendet. In weiteren Aktionen am 31.05.1915 und 12.06.1915 dann Chlorgas mit tödlich wirkenden Zusätzen.

Auch das Rerserve-Infanterie-Regiment 225 war involviert. Die mir vorliegende Regimentschronik beschreibt den 31.05.1915 folgendermaßen:

„Am 31. Mai 2:30 Uhr vormittags traf […] die telephonische Weisung ein, daß um 2:45 Uhr vormittags die im linken und rechten Abschnitt eingebauten Gasbatterien […] abgeblasen würden. Im rechten Abschnitt ging die Gasentwicklung in normaler Weise vor sich, und eine hohe, graugelbe Wolke in etwa 150 Meter Breite trieb auf die russische Stellung […] zu. Das Feuer der Russen verstummt […]“

[…] Daß das Gas wirksam ist, zeigt später in Schirardow gefundener Kirchhof mit 10000 Gräbern an Gas zugrunde gegangener Soldaten.“

Die Regimentschroniken enthalten tageweise detaillierte Beschreibung der Kampfhandlungen aber auch Beschreibungen aus dem Alltag der Soldaten. Es werden weiterhin Angaben zu Anzahl von Verwundeten und Gefallenen gegeben und das Anlegen von Friedhöfen beschrieben. Auch Karten der Stellungen, Fotografien von einzelnen Personen, Kompanien und Friedhöfen sind vorhanden. Diese Chroniken können für den Familienforscher eine sehr gute Quelle bei der Recherche nach Gefallenen darstellen. Ich konnte mir jedenfalls ein Bild über die Umstände in den Schützengräben machen.

Auf einer Skizze zu den Stellungen des Regimentes ist auch der Ort Wola Szydłowiecka vermerkt.

Stellung RIR225 – Januar 1915

Da mein 2xUrgroßvater in einem Lazarett bei Wola Szydłowiecka verstorben ist, lässt sich natürlich nicht mehr der genaue Zeitpunkt seiner Verwundung feststellen. Es kann durchaus eine längere Zeit zwischen Verwundung und Tod gelegen haben. Für den 19.06.1915 und die Tage vorher sind in der Chronik keine größeren Infanteriekämpfe erwähnt. Die in der Sterbeurkunde angegebene Verletzung – Schrapnellschuss – ist aber typisch für die Artilleriekämpfe des betreffenden Zeitraumes. In der Regimentschronik heißt es für den Juni 1915:

„[…] Im Monat Juni spielten sich im Abschnitt des Regimentes hauptsächlich Artilleriekämpfe ab. Wir wie die Russen beschossen hauptsächlich die gegenseitigen Stellungen. Minenwerfer, Handgranaten, Gewehrgranaten unterstützen dieses Feuer. […]“

Es lässt sich also leider nicht zweifelsfrei klären, wie und wann Robert Carl Friedrich BÜNNING verwundet worden ist. Krankenunterlagen aus dem Militärarchiv in Freiburg hätten Aufschluß darüber geben können.

Soldatenfriedhöfe

In der Nähe der Kampforte befinden sich eine Vielzahl von Soldatenfriedhöfen. Ich hoffe, dass mein 2xUrgroßvater auf einem dieser Friedhöfe begraben wurde, da er in einem Lazarett verstorben ist. Vielleicht ist ihm das Schicksal von tausenden Kammeraden erspart geblieben, die im Felde zurückgelassen wurden.

Folgende Friedhöfe sind in der Umgebung vorhanden:

Leider ist der Gesuchte auf keinem Namensverzeichnis der gezeigten Friedhöfe verzeichnet. Insbesondere der Friedhof in Wólka Łasiecka, auf dem 381 deutsche Soldaten begraben sind, erscheint mir aber vielversprechend. Es existieren noch einige Grabplatten, auf denen Namen zu lesen sind. Demnach sind dort einige Soldaten des Regimentes 225 und viele Soldaten des benachbarten Regimentes 226 beigesetzt. Es befinden sich einige darunter, die im Juni in Wola Szydłowiecka gestorben sind. Vielleicht ist mein 2xUrgroßvater ebenfalls hier begraben worden?

Durch einen Einsatz von polnischen Freiwilligen im Jahr 2009/2010 wurde dieser Friedhof beräumt, und es konnten Informationen zu rund 20 Prozent der Grablagen ermittelt werden. Details zu diesem Friedhof können hier eingesehen werden.

Fazit

Zum jetzigen Zeitpunkt konnte ich leider keine weiteren Details ermitteln. Nach meiner Recherche bin ich aber dann doch überrascht, dass man sich durchaus noch ein sehr gutes Bild schaffen kann, obwohl anfänglich relativ wenige Informationen zur Verfügung standen.

Am Anfang des ersten Beitrages schrieb ich:

„Er soll nicht nur ein Name mit Geburts- und Sterbedatum in meiner Familiengeschichte bleiben.“

Ich denke, es ist mir gelungen…

Ausblick und weitere Ansatzpunkte

Es können sich in der Zukunft aber durchaus noch weitere Ansatzpunkte ergeben. Zu erwähnen sind die Lazarettkrankenbücher des 1. Weltkrieges (ca. 50000 Stck.) aus dem ehemaligen Krankenbuchlager Berlin. Diese sollen im letzten Quartal 2015 an die DD-WAST abgegeben werden. Zu gegebenen Zeitpunkt werde ich hier weiter ansetzen. Diese Lazarettkrankenbücher sind nicht zu verwechseln mit den Einzelunterlagen/ Krankenakten für die Geburtsjahrgänge 1802-1899, die bereits jetzt im Militärarchiv in Freiburg lagern, und aus denen ich einen negativen Bescheid erhalten habe.

Es werden auch immer wieder Bestände aus polnischen Archiven veröffentlicht. So las ich vor kurzem in einem anderen Genalogie-BLOG, dass das Staatsarchiv Krakau viele Unterlagen über die Soldatenfriedhöfe des 1. Weltkriegs in West Galizien, Mähren und Schlesien digitalisiert und veröffentlicht hat. Dabei handelt es sich um Unterlagen die das Anlegen der Friedhöfe dokumentiert und in denen auch Namenslisten enthalten sind.

Ich werde jedenfalls weiterhin ein wachsames Auge behalten, sodass ich vielleicht eines Tages weitere Details zu meinem 2xUrgroßvater erhalte, und Hoffe an dieser Stelle natürlich auch, dass ich Hinweise und weitere Ansatzpunkte der Leser bekomme. Ich würde mich über eine Rückmeldung freuen.

Teil 1: Schicksal von Robert Bünning – Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 225

Vor ziemlich genau 100 Jahren starb mein 2xUrgroßvater Robert Carl Friedrich BÜNNING mit nur 39 Jahren im 1. Weltkrieg an der Ostfront. Er hinterließ seine Frau nach nur 15 Jahren Ehe und meinen Urgroßvater im Alter von 13 Jahren! Mich hat dieses Schicksal sehr bewegt und nachdenklich gestimmt. Daher stelle ich mir die Aufgabe, nähere Informationen zu seinen Einsatzorten und evtl. sogar Genaueres zu den Umständen seines Todes herauszufinden. Vielleicht sogar seine letzte Ruhestätte? Er soll nicht nur ein Name mit Geburts- und Sterbedatum in meiner Familiengeschichte bleiben.

Da ich nach dem Schreiben des Beitrags feststellen muss, dass dieser doch recht umfangreich geworden ist, möchte ich ihn in 2 Teilen veröffentlichen.

Dieser Beitrag soll sich an alle Forscher richten die, wie ich damals, keine Erfahrungen bei der Recherche nach Militärangehörigen haben. Außerdem soll er einige der aktuellen Recherchemöglichkeiten aufzeigen. Ich würde mich freuen, wenn ich anderen Familienforschern damit helfen und sie ebenfalls zu einer genaueren Suche inspirieren kann. Auch bin ich dankbar für Hinweise auf weitere Recherchemöglichkeiten zu Gefallenen des 1. Weltkrieges.

Der Auslöser der Suche

Meine Suche begann mit dem Erhalt der Sterbeurkunde des Robert Carl Friedrich BÜNNING. Da ich keinerlei Unterlagen aus der Familie vorliegen hatte, dauerte die Suche nach dieser Urkunde eine längere Zeit. Insbesondere da ich den Tod meines 2xUrgroßvaters natürlich zu einem späteren Zeitpunkt vermutete. Dank einer wirklich hilfsbereiten Standesbeamtin und deren ausdauernden Suche, konnte diese aber nach einiger Zeit gefunden werden.

Auf dieser Urkunde musste ich dann folgendes Lesen:

„[…] Das Zentral Nachweise Bureau des Kriegsministerium hat mitgeteilt
dass der Gefreite Robert Bünning / landwirtsch. Arbeiter/
39 Jahre, evangelischer Religion
wohnhaft zu Wahlendow
geboren zu Usedom, Kreis Usedom-Wollin
am 5. April tausend achthundert siebzig und sechs
Sohn des Arbeiters Daniel Bünning
Ehefrau die Marianne Bünning geb. Bunk
im Lazarett bei Wola Szydlowecka
am neunzehnten Juni
des Jahres tausend neunhundert und fünfzehn
vormittags um fünf ein halb Uhr verstorben sei.
Verwundet durch einen Schrapnellschuss
im Rücken. […]“

Sofort machte ich mich auf die Suche nach dem in der Urkunde benannten Ort. Nach kurzer Internetrecherche konnte ich einen möglichen passenden Ort ausfindig machen. Gemeint ist sicherlich Wola Szydłowiecka in der heutigen Wojewodschaft Łódź. Dieser Ort liegt ca. 64km nord-östlich von Łódź.

Der Beginn der Suche

Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass ein direkter Vorfahr im 1. Weltkrieg gefallen ist. Mit den nun vorhandenen Informationen startete ich meine Recherche.

Der erste Schritt sollte immer eine Nachfrage beim Standesamt sein, ob eine Beiakte zum Sterberegister vorhanden ist, die die Mitteilung, die zur Beurkundung des Sterbefalles geführt hat, beinhaltet. In solchen Beiakten befinden sich manchmal Kriegsstammrollenauszüge und Todesmitteilungen, die wertvolle Hinweise geben können.

Leider bekam ich auf meine Nachfrage keine positive Antwort.

Verlustlisten 1. Weltkrieg

Für die Ermittlung von weiteren Details für Gefallene des 1. Weltkrieges, ist die Recherche der militärischen Einheit erforderlich. Falls keine Auszüge von Militärstammrollen, Soldbüchern oder ähnliches vorliegen, können die sogenannten Verlustlisten helfen.

In einem Crowdsourcing-Projekt des Vereins für Computergenealogie wurden die Verlustlisten des Ersten Weltkrieges in der Zeit von November 2011 bis August 2014 von mehreren Hunderten ehrenamtlichen Datenerfassern vollständig indiziert. Diese Verlustlisten enthalten Einträge zu Soldaten, die im ersten Weltkrieg gefallen oder vermisst waren, aber auch Einträge zu Personen, die verwundet wurden, in Gefangenschaft geraten sind, verunglückt, durch Krankheit verstorben oder anderweitig zu Schaden gekommen sind.

Durch eine Suche in diesen indizierten Beständen, konnte ich den betreffenden Eintrag für Robert Carld Friedrich BÜNNING schnell finden. Die Angaben zum Todestag im Standesamtsregister und in der Verlustliste stimmen überein. Ebenso die Angaben zum Geburtsort. Damit ist sichergestellt, dass die richtige Person ermittelt ist.

Aus den Verlustlisten (preußische Verlustliste 294; Seite 8020) geht hervor, dass mein 2xUrgroßvater zum Todeszeitpunkt als

Gefreiter in der 9. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regimentes 225

gedient hat. Meine erste zusätzliche wertvolle Information!

Suche von Beständen in Archiven

Die Suche nach Unterlagen zu Teilnehmern des Ersten Weltkriegs bzw. Angehörigen der Preußischen Armee gestalten sich schwierig. Die Personalunterlagen und Karteimittel der Preußischen Armee sind im Jahre 1945 bei einem Luftangriff auf Potsdam im Heeresarchiv nahezu vollständig verbrannt.

Die wenigen erhalten gebliebenen Unterlagen werden heute vom Bundesarchiv – Abteilung Militärarchiv in Freiburg verwahrt.

  • PERS 7  – Personalunterlagen von Angehörigen der Preußischen Armee
  • PERS 8 – Personalunterlagen von Angehörigen der Kaiserlichen Marine, der Schutztruppen und sonstiger Einrichtungen unter dem Befehl des Kaisers
  • Pers 9  – Krankenunterlagen der Preußischen Armee, Kaiserlichen Marine und Schutz-truppen, der Reichswehr und Wehrmacht

Aus dem Bestand der Krankenunterlagen erhoffte ich Angaben zu meinem 2xUrgroßvater. In diesem sind, allerdings keineswegs vollständig, die im Zusammenhang mit einer Lazarettbehandlung entstandenen Krankenpapiere von Soldaten erhalten. Diese Krankenblätter, meist mit Stammrollenauszügen verbunden, sind nach Geburtsdaten geordnet und liegen in der Abteilung Militärarchiv für die Geburtsjahrgänge 1802-1899 vor. Von den Geburtsjahrgängen 1891 bis 1899 sind jedoch nur die Unterlagen der im Januar und Juli Geborenen überliefert.

Eine formlose Anfrage per Email ist für die Beauftragung ausreichend. Anschließend wird ein Vordruck zu einem Benutzungsantrag verschickt. Die Bearbeitungszeit liegt erfreulicher nur bei 2-4 Wochen. Bedauerlicherweise konnten für den am 06.04.1876 geborenen Robert Carl Friedrich BÜNNING keine Unterlagen ermittelt werden.

Regimentschroniken

Eine weitere empfehlenswerte Quelle sind sogenannten Regimentschroniken bzw. -geschichten. Diese existieren für einen Großteil der deutschen und österreichischen Einheiten. Sie enthalten oftmals detaillierte Tages- und Kampfabläufe des Regimentes, Karten von Schlachten und Stellungen sowie eine Auflistung von gefallenen Regimentsangehörigen. Oftmals sind auch Fotografien von einzelnen Personen und Kompanien aus den Einsatzgebieten beigegeben.

Diese Regimentschroniken können in einigen Bibliotheken eingesehen, bzw. als Fernleihe zur Einsicht bestellt werden.

Für das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 225 existiert mit

Regiments-Vereinigung R-I-R 225, Ortsgruppe Halle a.S. (Hrsg.): „Kriegsgeschichte des Reserve-Infanterie-Regiments Nr.225 nach Aufzeichnungen aus dem Felde“, Deutscher Reichs Regiments-Verein RIR 225, Görlitz 1928, Starke, 475 Seiten.

eine solche Quelle, in die ich nun Einsicht habe.

In einem noch folgenden Beitrag, werde ich den Inhalt dieser Quelle eingehen.